Archäologische Ausgrabungen im Naturpark Solling-Vogler

Im Naturpark Solling-Vogler dokumentieren zahlreiche archäologische Ausgrabungen die wechselvolle Geschichte der Landschaft und ihrer Bewohner. Ausgrabungen als Geländedenkmäler werden in der Landschaft häufig eher vernachlässigt. Dabei bieten sie vielfältige Möglichkeiten in der Veranschaulichung von Geschichte und sollten viel stärker als nachhaltige Ressourcen gehoben und gepflegt werden. Die optimale Voraussetzung dafür ist die Lokalisierung, Kartierung und Auswertung zahlreicher typischer Kulturlandschaftsrelikte durch engagierte Laien und Fachinstitutionen. Im Naturpark Solling-Vogler erfolgt seit vielen Jahrzehnten die Grundlagenforschung auf diesem Gebiet von der Universität Göttingen aus. Verdient gemacht um die archäologischen Forschungen in der Region hat sich vor allem auch Prof. Dr. H. G. Stephan, Universität Halle/Wittenberg.

Von den vielen kleineren Glashütten und Wüstungsgrabungen abgesehen, gibt es zur Zeit mindestens vier bedeutende Ausgrabungsorte, die durch eine professionelle wissenschaftliche Begleitung betreut und die an dieser Stelle aufgezählt werden sollten.

Mittelalterhaus am Schloss Nienover

Geschichte erleben - Archäologie zum Anfassen - Leben wie im Mittelalter

Die Stadtwüstung Nienover ist auf Grund der guten Erhaltungsbedingungen ein archäologisches Kulturdenkmal von herausragender regionaler, landesgeschichtlicher und internationaler Bedeutung. Nach den bisherigen archäologischen Forschungen ist Nienover die älteste Stadt im Solling, die aber nur über zwei bis drei Generationen hinweg von etwa 1190 bis 1270 bestand.

Auf den Ergebnissen dieser archäologischen Untersuchungen, die von 1993 bis 2007 in einem interdisziplinären Forschungsprojekt unter Federführung der Universität Göttingen bzw. Halle in Nienover durchgeführt wurden, entsteht nunmehr vor Ort eine Teilrekonstruktion der ehemaligen Stadt mit einem Fachwerkhaus, Nebengebäuden, Brunnen, Straßen und Gärten. Eingebunden in die reizvolle Landschaft des Naturpark Solling-Vogler bietet das Stadthaus in Nienover dem Besucher eine Zeitreise in das frühe 13. Jahrhundert, in der die Burg und die heute wüst gefallene Stadt Sitz der Grafen von Dassel und Nienover waren. Der nach archäologischen und bauhistorischen Erkenntnissen vollständig rekonstruierte Nachbau eines mittelalterlichen Stadthauses der Zeit um 1230 am authentischen Ort lädt Sie ein, das Alltagsleben, die Umwelt und die Sachkultur der Stadtbewohner hautnah zu erleben und zu erforschen.
Nähere Projektinformationen unter: www.mittelalterhaus-nienover.de.

Wüstungskirche Winnefeld

Spektakulär waren die Funde der Ausgrabungen an der Wüstungskirche Winnefeld. Auf dem Friedhof der Dorfwüstung Winnefeld wurden die Reste von 110 bis 170 Skeletten gefunden und archäologisch ausgewertet. Dabei offenbarten sich neben den vielfältigen Einblicken in die schwierigen alltäglichen Lebensumstände eindrucksvolle Beispiele eines gefährlichen Lebens in den mittelalterlichen Dörfern. Zahlreiche gefundene Schädel ließen deutliche Spuren von tödlichen Schwerthieben erkennen. Die freigelegte Dorfkirche präsentiert sich mit Ausmaßen von 30 m x 8,75 m als ungewöhnlich groß. Die Errichtung der Kirche ist aufgrund der archäologischen Funde auf 1150 bis 1200 datiert.
Weitere Informationen: www.kndw-ev.de

Schmeessen

Bei der Ausgrabung der Dorfwüstung Schmeessen im Solling wird eine mittelalterliche Siedlung erforscht. Neben der freigelegten Kirchenruine, die auffallend starke Steinfundamente aufweist, sind zahlreiche Gräber und Bebauungsstrukturen zu sehen. Im Umfeld können Sie prähistorische Bodendenkmäler in Form von Grabhügeln der Bronzezeit bei Waldspaziergängen ebenso, wie Relikte einer mittelalterlichen Waldnutzung, entdecken.
Weitere Informationen: www.kndw-ev.de und www.schmeessen.com.

Glashütte Neuer Teich

Am ehemals künstlich als Stauteich entstandenen Lakenteich können Sie die freigelegten Fundamente einer Glashütte des 17. Jahrhunderts besichtigen. Erstmals gelang es, die Betriebsstruktur einer Glashütte im Solling archäologisch näher zu erforschen. Im Blickpunkt standen dabei besonders die Öfen und die Werkshalle aber auch die Produkte und das Leben und Arbeiten der Glasmacher. Zahlreiche Details zu den Konstruktionen der Produktionsgebäude sowie der damit verbundenen Prozesse konnten anhand der Grabungen herausgefunden werden.
Weitere Informationen: www.kndw-ev.de.